Brauche guten Rat

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Brauche guten Rat

von torpartjejen am Samstag 6. September 2014, 08:32

Hallo Ihr Lieben!

Ich benötige Euren guten Rat in einer für mich etwas heiklen Frage.

Ich wohne in Schweden und arbeite als persönlicher Assitent. Das bedeutet, dass man einer Person mit Funktionshinder mit allem hilft, womit diese Hilfe benötigt. Die Frau, der ich helfe ist völlig gelähmt und kann nicht sprechen. Manchmal antwortet sie mit Augenblinkern, aber es scheint als ob ich die Einzige von ihren Assistenten bin, die auf diese Weise mit ihr kommuniziert. Man bekommt auch nicht immer Antworten und wieviel sie versteht von dem was um sie herum geschieht ist unklar.

Ihr Vater lebt und ist ihr Vormund.
Ich habe sie seit 1,5 Jahren betreut. N. wird über eine Magensonde ernährt und ein Diätist hat folgenden Kostplan für sie erstellt.

Frühstück: eine halbe Banane, 1 Kiwi, 1 Birne, je 1 Esslöffel Leinsamen, Sonnenblumenkerne und Sesam, 1dl mageren Joghurt
Lunch : 0,5 dl Haferflocken, 1 Esslöffel Rosinen, 4 Teelöffel Pflaumenpuree,, 1EL Honig, 1 El Butter, 1dl joghurt
16:30 : 0,5 Dose Thunfisch oder Makrelenfile, 1dl gekochten Reis oder 1,5 Kartoffeln, 1 dl gefrorenes gemischtes Gemüse, etwas Speiseöl
19:30 : 1,5 dl Joghurt verschlagen mit einem rohen oder gekochten Ei :kotz:

Als ich bei N. angefangen habe zu arbeiten, sah sie des öfteren geplagt aus und ich habe angefangen zu überlegen,ob ich etwas dagegen tun könnte. Zum ersten schrieb ich eine E-Mail an Ns. Diätist, dass ich fand, dass Ns. Kost nicht so abwechslungsreich war und ob man ihr auch manchmal etwas Anderes geben könnte als das und das war ok.

Ich habe auf alle Fälle wenn ich die Möglichkeit dazu habe folgende Änderungen gemacht.

Frühstück: weg mit dem joghurt, eine ganze Banane, keine Samen Lunch: weg mit dem joghurt, statt dessen mehr Haferflocken, statt Pflaumenpürree einige getrocknete, Pflaumen, Samen 16:30 1dl Quinoa, 1dl Brokkoli oder Spenat, 1dl Linsen also nichts von dem, was in der Liste stand

Ich arbeite nicht abends, so diesen Mist bekommt sie jeden Tag.

Jedes zweie Wochenende arbeite ich zu Hause bei N,, wo Ns. Vater wohnt. Da kann ich mit Ns.Vaters Einverständnis auch frische Wildkräuter geben. Ansonsten sind wir auf Ns. Arbeit, zusammen mit anderen, die auch assistenter haben und einige von denen kennen auch Ns. Ernährungsplan, weshalb ich wirklich geschickt sein muss, damit keiner darauf kommt, dass ich auch den "guten und gesunden" Joghurt weglasse.

Das Ergebnis der kleinen Veränderungen, die ich machen konnte ist, dass N. keine Anzeichen von geplagtem Aussehen mehr zeigte. Das obwohl sie an den Tagen, an denen ich nicht arbeitete Kost nach Diätitens Empfehlungen bekam. Als ich nach 6 Wochen Urlaub wieder zurückkam war sie wieder geplagt .Erst jetzt, ca. 8 Wochen später scheint es wieder besser zu werden.

Meine Arbeitskollegen wissen nicht wieviele Veränderungen ich gemacht habe, sondern sehen es nur an der 16:30 Mahlzeit. Würde es rauskommen, dass ich so viel von dem ach so gesunden Joghurt ersetzt habe, würde ich ernsthafte Probleme bekommen.
Eine Arbeitskollegin fragte mich, was ich in Ns. 16:30 Mahlzeit hatte. Ich antwortete ehrlich. Danach sah ich auf einem Zettel, auf dem wir aufschreiben, worüber wir auf der nächsten Versammlung sprechen wollen, dass sie Kost aufgeschrieben hatte.

Ich weiss ja, dass ich im Rahmen meiner Möglichkeiten das Richtige tue.Ich sehe ja, dass es N. besser geht und es muss ja mein Ziel als persönlicher Assistent sein, dass es der betreuten Person so gut wi emöglich geht.
Auf der anderen Seite habe ich die gesellschaftlichen Normen und die neuen Priester auch Wisenschaft und Forschung genannt gegen mich. Auf alla Fälle das was von Ärzten und Diätisten als Wissenschaft anerkannt wird.

Das Schöne ist, dass Ns. Vater hinter mir steht. Er und seine Frau, die allerdings nicht mehr lebt, hatten N. zuhause gepflegt, bis die Gemeinde die Pflege im Heim untersagt hatte, da sie N. als unterernährt angesehen hatten, da sie nur etwas mehr als 40 kg wiegte. Ich habe sie nicht zu dieser Zeit gesehen und kan deshalb darüber keine Aussagen machen.
Jetzt wiegt sie 51kg bei einer Grösse von 165 cm. Da sie aber völlig gelähmt ist, hat sie keinerlei Muskeln, dafür aber einen etwas dickeren Bauch.
Als Ns.Vater in Frage stellte ob N. wirklich einen so runden Bauch haben soll, bekam er zur Antwort, dass N.ja keine Bauchmuskeln hätte och deshalb die inneren Organe nicht von der Bauchdecke zurückgehalten werden.

Ich fühle mich jetzt ziemlich gedrängt. Zum Einen weiss ich, dass es N.sehr viel besser geht, nur von den kleinen Veränderungen, die mir möglich sind. Das zeigt sich aber nicht so deutlich für andere, da Veränderungen Zeit brauchen, dh. wenn ich in den Urlaub gehe, geht es N. nicht schlechter von meinem ersten Urlaubstag an, sondern erst am Ende meines Urlaubs und es geht ihr dann viele Wochen schlechter, auch nachdem ich wieder zurückgekommen bin, bevor es wieder besser wird. So, da werde ich das Argument zu hören bekommen, dass es N. auch nicht besser geht, wenn ich arbeite, weil keiner, der nicht selbst seine Kost geändert hat versteht, wie das funktioniert.

Zum Anderen will ich meine Arbeit nicht verlieren. Und wie gesagt, das ganze Ausmass meiner Veränderungen in Ns. Kost ist nicht bekannt. Ich würde gern mit offenen Karten spielen und für Ns. Wohlbefinden offen kämpfen, aber ich sehe, dass es starke Kräfte gibt, die sich mir entgegenstellen würden und es ist unnötig sich einem Kampf zu stellen, in dem man nicht eine Chance hat zu gewinnen.

Leider ist auch eine Kopie der E-mail von der Diätistin aus Ns. Dokumentation verschwunden. Ich komme zZt nicht an mein E-mail Konto um zu sehen, ob ich die E-mail vielleicht dort noch gespart habe. Das ist aber nicht sicher, dass sie dort noch existiert.

Ich wäre sehr dankbar über Meinungen, wie Ihr Euch zu diesem Problem stellt, wie ich es auf eine geschickte Weise hantieren kann, über Artikel, die wissenschaftliche Argumente für eine vegetarische, noch besser vegane Lebensweise liefern. Ich habe bisher leider nur Artikel gefunden, dass pflanzliches Eiweiss nicht so gut aufgenommen werden kann wie pflanzliches. Es kreisst ja leider oft um Kalzium, Protein und das was der Gegenseite Argumente produziert.

Ich würde gern Artikel, Forschungsresultat in Englisch haben, da hier keiner deutsch versteht. Hatte nicht WHO festgestellt, dass die vegetarisch oder vegane Lebensweise die gesundeste ist? Ich finde nichts darüber oder erinnere ich mich falsch?

Es wäre gewiss einfacher für mich, mich an die Kostliste zu halten wie alle anderen und zu sagen: Es ist nur ein Job, der es mir möglich macht in dieser Welt zu überleben, aber das geht ja auf die kosten der armen N., die dafür mehr Schmerzen und Unbehag erleiden muss.

Ich sehe mit Spannung Euren Antworten entgegen.

Herzliche Grüsse
Annett
torpartjejen
 
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Re: Brauche guten Rat

von Brigitte Rondholz am Sonntag 7. September 2014, 12:00

torpartjejen hat geschrieben:Ich wohne in Schweden und arbeite als persönlicher Assitent. Das bedeutet, dass man einer Person mit Funktionshinder mit allem hilft, womit diese Hilfe benötigt. Die Frau, der ich helfe ist völlig gelähmt und kann nicht sprechen. Manchmal antwortet sie mit Augenblinkern, aber es scheint als ob ich die Einzige von ihren Assistenten bin, die auf diese Weise mit ihr kommuniziert. Man bekommt auch nicht immer Antworten und wieviel sie versteht von dem was um sie herum geschieht ist unklar.


Würde es rauskommen, dass ich so viel von dem ach so gesunden Joghurt ersetzt habe, würde ich ernsthafte Probleme bekommen.




Liebe Annett, und von uns erwartest Du nun die Absolution?

Nein, die kann ich Dir nicht geben.

Ich bin ein absoluter Fan von Offenheit und Ehrlichkeit, Heimlichtuereien sind mir zuwider.

Und erst recht in so einer ABHÄNGIGENsituation, da muss man sich doch auf alle Beteiligten hundertprozentig verlassen können.

Wenn Du Dir sicher bist, dass eine vegane Ernährung das richtige wäre (und das kannst Du sein!), dann stehe offen dazu und halte etwaige Diskussionen aus.

Dass Dir dies gelingen möge, wünsche ich Dir von Herzen.

Du kannst diese Studie der American Dietetic Association anführen:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19562864




Beste Grüße - Deine Brigitte
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Re: Brauche guten Rat

von torpartjejen am Dienstag 9. September 2014, 07:26

Liebe Brigitte!

Vielen Dank für Deine Antwort.

Ich habe keine Ansolution erwartet, sondern einen guten Rat, wie andere in so einer Situation gedacht und agiert hätten. Klar, dass ich davon überzeugt bin, dass eine vegane Lebensweise das Richtige ist, da ich es auch am eigenen Leibe ERFAHREN habe.
Ich habe versucht in dieser Situation so offen zu sein, wie ich se in der Gesamtsituation für möglich hielt. Ich habe Kontakt mit Ns Diätist aufgenommen und gefragt, ob man auch von der Liste abweichen könnte und mal was anderes geben könnte als das Empfohlene, zB. einen grünen Smoothie (alles Essen muss fein gemixt sein, anders kann N. es nicht zu sich nehmen) und das war ok. Wieviel und was man ändert ist damit eine Deutungsfrage.
Und gegenüber Ns Vater bin ich absolut ehrlich gewesen und ist sehr positiv zu meinen Ansichten und dass ich N vegan Kost gebe.
Ich weiss aber, dass meine Arbeitskameraden (alle übergewichtig bis auf eine jüngere Kollegin) von der Notwendigkeit tierischen Proteins und der guten Milch überzeugt sind.

N.hat eine neue Diätistin bekommen, mit der ich noch keinen Kontakt hatte. So ich habe keine Ahnung, wo sie steht.
Ich habe versucht so ehrlich zu sein, wie ich eingeschätzt habe, dass ich sein konnte.
Es ist nicht leicht, sich an alteingesessenen Meinungen und gegen das ganze Etablissement von Fleisch- und Milchindustrie und deras Forschung den Kopf blutig zu stossen.

Was weiss denn dagegen ein kleiner persönlicher Assistent? Man muss hier im Leben seine Kämpfe wählen. Und ich habe versucht so offen wie ich einschätzte es mir möglich war zu sein und N. zu helfen, dass es ihr besser geht. Was ja scheinbar nur durch meine Veränderungen in die richtige Richtung gegangen ist.

Für mich war das Wichtigste ihren Vater mit im Boot zu haben. Das habe ich.
Ich habe auch ein Leben ausserhalb meiner Arbeit Und habe deshalb, um nicht alle Energie dort zu legen, den Weg gewählt nicht mit allen alles im Einzelnen zu diskutieren. Das war der richtige Weg für mich in dieser Situation. Vielleicht hätte es auch einen anderen gegeben.
Ich kann Kritik vertragen, anders hätte ich diesen Beitrag nicht ins Forum gestellt. Ich weiss, dass man hier nicht immer mit Samthandschuhen gestreichelt wird.

Konstruktiver Ideen, wie andere eine solche Situation von Anfang an hantiert hätten oder wie man jetzt agieren könnte, Argumente, alternative Fosrschungsresultate uä, das war das was ich wollte, nicht Absolution.



Vielen Dank für Deinen Link.

Beste Grüsse
Annett
torpartjejen
 
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Re: Brauche guten Rat

von Brigitte Rondholz am Dienstag 9. September 2014, 20:16

torpartjejen hat geschrieben:Für mich war das Wichtigste ihren Vater mit im Boot zu haben. Das habe ich.
Ich habe auch ein Leben ausserhalb meiner Arbeit Und habe deshalb, um nicht alle Energie dort zu legen, den Weg gewählt nicht mit allen alles im Einzelnen zu diskutieren. Das war der richtige Weg für mich in dieser Situation. Vielleicht hätte es auch einen anderen gegeben.
Ich kann Kritik vertragen, anders hätte ich diesen Beitrag nicht ins Forum gestellt. Ich weiss, dass man hier nicht immer mit Samthandschuhen gestreichelt wird.


Liebe Annett,

ich wollte Dich keineswegs kränken. :hug:

Ich weiß durch deine Beiträge hier im Forum, dass Du eine verantwortungsvolle Person bist, die nicht leichtfertig handelt. Wenn meine Antwort zu harsch war, bitte ich Dich um Entschuldigung. Dies ist meiner Zeitknappheit (fürs Internet) geschuldet.

Vielleicht kriegst Du noch bessere Antworten, wenn Mary aus ihrem Urlaub zurück ist. :D

Beste Grüße - Deine Brigitte
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Re: Brauche guten Rat

von Brigitte Rondholz am Dienstag 9. September 2014, 20:23

torpartjejen hat geschrieben:Für mich war das Wichtigste ihren Vater mit im Boot zu haben. Das habe ich.
Ich habe auch ein Leben ausserhalb meiner Arbeit Und habe deshalb, um nicht alle Energie dort zu legen, den Weg gewählt nicht mit allen alles im Einzelnen zu diskutieren. Das war der richtige Weg für mich in dieser Situation. Vielleicht hätte es auch einen anderen gegeben.
Ich kann Kritik vertragen, anders hätte ich diesen Beitrag nicht ins Forum gestellt. Ich weiss, dass man hier nicht immer mit Samthandschuhen gestreichelt wird.


Liebe Annett,

ich wollte Dich keineswegs kränken. :hug:

Ich weiß durch deine Beiträge hier im Forum, dass Du eine verantwortungsvolle Person bist, die nicht leichtfertig handelt. Wenn meine Antwort zu harsch war, bitte ich Dich um Entschuldigung. Dies ist meiner Zeitknappheit (fürs Internet) geschuldet.

Vielleicht (bestimmt!) kriegst Du noch bessere Antworten, wenn Mary aus ihrem Urlaub zurück ist. :zaunpfahl: :D

Beste Grüße - Deine Brigitte
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